◇ Serie · Claude souverän nutzen · Teil 1 / 9
Wie Claude tickt – und was es nicht kann
Was ein KI-Sprachmodell wirklich ist: Wahrscheinlichkeiten statt Wissensdatenbank, warum Halluzinationen entstehen und wo die Grenzen liegen.
claude · grundlagen · sprachmodell · schulung
Was ein Sprachmodell ist – und was nicht
Claude ist ein KI-Sprachmodell. Trainiert auf riesigen Textmengen, macht es im Kern eine Sache extrem gut: das nächste Wort vorhersagen.
Es ist keine Suchmaschine, keine Datenbank und kein Lexikon, das Fakten „nachschlägt”. Es erzeugt Sprache, die zu deiner Eingabe passt.
Wahrscheinlichkeiten statt Wissensdatenbank
Nächstes Wort — geschätzte Wahrscheinlichkeit
- blau62%
- bewölkt18%
- grau9%
- weit6%
- klar5%
Bei jedem Wort schätzt das Modell, was am wahrscheinlichsten folgt – aus Mustern, die es im Training gesehen hat. Daher die Sprachgewandtheit. Und genau deshalb kann eine falsche Antwort genauso flüssig klingen wie eine richtige.
Was Claude gut kann – und was nicht
✓ Stark bei
- Texte schreiben, umformulieren, zusammenfassen
- lange Dokumente erklären & strukturieren
- Code lesen & erklären, Entwürfe iterieren
- Ton, Sprache und Format treffen
✗ Vorsicht bei
- aktuelle Fakten ohne Web-Werkzeug
- exakte Mathematik / große Rechnungen
- sich selbst zuverlässig prüfen
- garantiert korrekte Zitate & Zahlen
Halluzinationen erkennen
Wenn das Modell etwas nicht „weiß”, erfindet es manchmal etwas Plausibles – das heißt Halluzination.
- Neuere Modelle tun das deutlich seltener und sagen eher „das weiß ich nicht”.
- Trotzdem gilt: bei Fakten, Zahlen, Zitaten, Rechtsfragen → gegenprüfen.
Das Kontext-Fenster
Claude kann nur eine begrenzte Menge Text gleichzeitig berücksichtigen – das Kontext-Fenster. Alles im Gespräch zählt hinein: deine Prompts, hochgeladene Dokumente und Claudes eigene Antworten.
- Sehr lange Dokumente können abgeschnitten werden.
- Praxis: gezielt die relevanten Teile schicken statt „alles reinkippen”.
- Bei langen Chats das Wichtige zwischendurch zusammenfassen lassen.
Claude, ChatGPT, Gemini – kurz eingeordnet
| Modell | Schwerpunkt im Alltag |
|---|---|
| Claude (Anthropic) | sorgfältiger, ehrlicher Ton; stark bei langen Texten & Code; eigenes Tooling (Claude Code, Projects, Skills) |
| ChatGPT (OpenAI) | großes Ökosystem, viele Integrationen |
| Gemini (Google) | enge Anbindung an Google Workspace |
Alle drei sind starke Assistenten – ohne Glaubenskrieg. Hier geht es um Claude, aber das meiste (Prompts, Grenzen, Datenschutz) gilt für alle.
Kurz geprüft
Warum klingt eine falsche Claude-Antwort manchmal genauso überzeugend wie eine richtige?
Kernpunkte
- Claude sagt das wahrscheinlichste nächste Wort vorher – keine Datenbank.
- Halluzinationen entstehen, wenn Plausibles wichtiger wird als Korrektes – neuere Modelle seltener, aber: prüfen, was zählt.
- Das Kontext-Fenster ist begrenzt – gezielt füttern.
- Weiter mit Teil 2 – Welches Modell für was: warum die Version den Unterschied macht.